Verpflichtung zur Vermeidung von freiheitsentziehenden Maßnahmen

Der Werdenfelser Weg ist ein verfahrensrechtlicher Ansatz im Rahmen des geltenden Betreuungsrechts, um die Anwendung von Fixierungen und freiheitsentziehenden Maßnahmen (FEM) wie Bauchgurte, Bettgitter, Vorsatztische in Pflegeeinrichtungen zu reduzieren. Er setzt am gerichtlichen Genehmigungsverfahren an, mit der gemeinsamen Zielsetzung, die Entscheidungsprozesse über die Notwendigkeit freiheitsentziehender Maßnahmen zu verbessern und Fixierungen auf ein unumgängliches Minimum zu reduzieren.

Die Initiatoren des Werdenfelser Weges sind Josef Wassermann und Amtsrichter Sebastian Kirsch vom Amtsgericht in Garmisch Partenkirchen.

Der Werdenfelser Weg bemüht sich um eine Abkehr vom starren Sicherheitsdenken und hin zu einem verantwortungsvollen Abwägen aller Aspekte. Er entfaltet seine Wirkung dadurch, dass er auf bewusste verantwortungsvolle Veränderung der Pflegekultur setzt und dabei Gerichte und Behörden auf die stationäre Pflege zugehen. Das Wissen, dass sich das Betreuungsgericht und die Betreuungsbehörden jeweils zu dem gemeinsamen Ziel der weitgehenden Vermeidung von Fixierungen gemeinsam mit den Pflegenden ausdrücklich bekennen, führt zu einer Öffnung aller Professionen, zu einem Wissensaustausch und auch zu einer gemeinsamen Verantwortungsübernahme in jedem Einzelfall.


Kernpunkt des Werdenfelser Weges ist die Ausbildung von spezialisierten Verfahrenspflegern, welche auf dem Gebiet der freiheitsentziehenden Maßnahmen sowohl über rechtliche als auch über pflegerische Fachkenntnisse verfügen. Eingesetzt werden nicht vornehmlich wie bislang Rechtsanwälte, sondern Personen, die einen Pflegeberuf erlernt haben und über einschlägige Berufserfahrung verfügen.
Der Verfahrenspfleger ist zwar vom Gericht bestellt, dann aber nur dem Betroffenen gegenüber zu einer sachgerechten Rechtsvertretung verpflichtet. Er ist weder weisungsgebunden dem Gericht gegenüber noch Gerichtshelfer. Er ermittelt nicht für das Gericht, sondern muss sich in seiner eigenen Rolle eine eigene fachliche Meinung bilden.

Auf dieser Grundlage werden im Rahmen des Werdenfelser Weges Menschen mit Pflegeerfahrung zu Verfahrenspflegern eingesetzt. Spezialisierte Verfahrenspfleger mit pflegefachlichem Grundwissen werden für das gerichtliche Genehmigungsverfahren von Fixierungen fachlich fortgebildet, so dass sie neben ihrem beruflichen pflegefachlichen Wissen über Vermeidungsstrategien auch über einen gehobenen juristischen Informationsstand zu den rechtlichen Kriterien verfügen.

Als Interessenvertreter des einzelnen Heimbewohners klären sie mit allen Beteiligten ab, ob alle Vermeidungsstrategien für Fixierungen ausgeschöpft wurden und arbeiten auf eine gemeinsame Beurteilung der Risiken hin, um Fixierungen weitestgehend zu vermeiden und Pflegenden Handlungssicherheit in haftungsrechtlicher Hinsicht zu vermitteln.
Dies geschieht in dem Bewusstsein, dass in der Abwägung mit der Menschenwürde und Selbstbestimmung hinnehmbare Risiken verbleiben. Ziel ist es, zu einer gemeinsam getragenen Abschätzung zu gelangen, wie im konkreten Fall das Verletzungsrisiko bei einem Sturz einerseits und die anderweitigen Folgen einer angewendeten Fixierung andererseits einzuschätzen sind.
Auf diese Art und Weise sollen neben kurzfristigen Sicherheitsaspekten auch die ansonsten nicht ausreichend beachteten sonstigen Konsequenzen einbezogen werden, also der Verlust an Lebensqualität.

Die Verfahrenspfleger diskutieren im gerichtlichen Auftrag jeden Fixierungsfall individuell und gehen über den Zeitraum mehrerer Wochen Alternativüberlegungen gemeinsam mit den Pflegekräften, den Angehörigen und dem rechtlichen Betreuer durch. Im Einzelfall regen sie auch Erprobungen von Alternativmaßnahmen an.

Daher wurden zur Vermeidung von freiheitsentziehenden Maßnahmen auch Hilfsmittel angeschafft:
•    Niederflurbetten
•    Sensormatten
•    Sturzmatten
•    Protektorenhosen

Das Beschäftigungsprogramm wurde um Kraft – und Balancetraining erweitert um die Mobilität unserer Bewohner fördern.
Gemeinsam mit dem Angebot der Sturzprophylaxe wird die Gangsicherheit und auch der Muskelaufbau gefördert.